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Gut Heiming-  Das Paradies für Pferd und Reiter

 

 

Reisen wie vor 150 Jahren
Pilgerer des Jakobswegs in Gut Heiming

Mit dem Vierspänner auf dem Jakobsweg


Hufgeklapper und fröhliche, schwäbische Gesänge vernimmt man schon von weitem. Hoch erfreut erblickt man nun die prunkvolle Kutsche mit all seinen Mitreisenden. Viele kennen ihn bereits, den Neuravensburger Hans Lanz, der mit seiner historischen Kutsche und seinen Reiterfreunden auf dem Jakobsweg reist.
Nach einer schweren Krankheit mit drohendem, multiplem Organversagen, Koma, zehn Operationen und Reha, entschloss sich Lanz dazu, jedes Jahr im Mai eine Woche auf dem Jakobsweg mit seinem Vierergespann, einer Menge Proviant und ein Pferde erfahrenes Team zu pilgern. Auf seinem Leidensweg fragte er sich, welche Spuren er in seinem Leben bis jetzt hinterlassen hatte. Er versprach nun dem lieben Gott aus Dankbarkeit für seine Genesung, den Jakobsweg zu pilgern.
Hans Lanz und die hohen Herrschaften mit Fritz Bergér
Entsprechend dem Motto: „Reisen wie vor 150 Jahren“, schlüpfen die Reisenden in passende Gewänder, behütet mit Zylinder oder mit Federn verzierten, eleganten Hüten.
Der Flaschner- und Installateurmeister Lanz hat neben seinem Handwerksbetrieb hobbymäßig Reit- und Gespannfahrsport betrieben. Mit Zwei- und Vierspännern hat er es sogar bis zum „Silbernen Fahrabzeichen“ gebracht.
Seit 2009 nunmehr fährt Lanz jedes Jahr ein Stück auf dem Pilgerweg. 2012 verlief die Reiseroute im Rheintal, 2013 von Wangen bis Rosenheim am Inn. 2014 ist von Wien bis Salzburg die Rede.
Wie damals die hohen Herrschaften zu reisen ist in der jetzigen stressigen Zeit ein unglaublich  herrliches Gefühl. Allein der Gedanke, dass es teilweise mehrere Wochen gedauert hat, bis man von einer großen Stadt zur nächsten kam, stimmt die Mitfahrer bedächtig. Auch die vorbeikommenden Autofahrer oder Wanderer werden entführt in die alte Zeit und werden so an das frühere Fortbewegungsmittel Nummer 1 erinnert.
Am Donnerstagnachmittag traf dann die große Kutsche in der Reitanlage Bergér auf Gut Heiming ein, welches auf dem diesjährigen Pilgerweg die Endstation war. Nach Sektempfang und anschließendem Kaffee und Kuchen, konnten die Reisenden wieder neue Kräfte sammeln von der Tour. Übernachtet wurde im Gästehaus auf Gut Heiming und da es auf dem Gut so „heimelig“ schön ist, blieben sie zum Ausklang der Reise gleich drei Tage.
Jeden Tag hatten die Pilger um die 50 km zurückgelegt. In der vergangenen Woche wurden so ca. 300 km mit 4 PS bewältigt, von Wangen bis vor die Tore Rosenheims. Die Reiseroute für nächstes Jahr ist schon in der Planung; sie soll die Pilger von Salzburg nach Wien führen.
Die historische Kutsche anno 1850 wurde extra nach den Wünschen von Lanz innerhalb von 6 Monaten von einer Spezialwerkstatt in Polen gefertigt. „Omnibus“ heißt dieses Modell und ist der Nachfolger der altbewährten Postkutsche.
Pilger Hans Lanz in Gut HeimingNeben dem Kutschfahrer und seinem Beifahrer und den Pferdepflegerinnen, sind es die so genannten „Grooms“ welche eine wichtige Rolle spielen. Sollten die Pferde scheuen oder es droht Gefahr, wie z.B. eine enge Stelle oder Ähnliches, springen diese sofort ab – einer links und einer rechts zu den vorderen Pferden und führen diese dann über „schwierige Stellen“.
So lässt sich die Natur in vollen Zügen genießen, auch findet man so wieder zu sich und kann dem Alltagsstress entfliehen. „Für uns ist es Urlaub, einmal im Jahr mit der Kutsche zu Pilgern“, so die Reisenden. Wer selbst mitreist wird merken, wie schnell man sich in die alte Zeit zurückversetzt fühlt. Für fremde Fahrgäste, die in der Regel täglich wechseln, hat Lanz immer Plätze frei. Gerne dürfen sich diese dann auch mit einer kleinen Spende beteiligen. Das gesamte gespendete Geld fliest in eine Hilfsorganisation. So kommen pro Woche ca. 1000 € zusammen die Lanz anderen schwerkranken Menschen spendet.
Und um dem eigentlichen Wert des Pilgerns gerecht zu werden, machen die Reisenden immer wieder Halt an Kirchen und Kapellen. Dabei danken sie Gott für die gute Reise, bitten um ein gesundes weiteres Jahr und beten in stiller Einkehr oder singen Marienlieder im Wonnemonat Mai.
Zu den schönsten Dingen am Pilgern erhält man eine eindeutige Antwort: Das Kennenlernen von den verschiedensten Menschen und den wunderschönen Gegenden dieser Erde in Gottes freier Natur.

Text: N. Schäfer